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10
Jan
2007

Und Männer sind die besseren Köche

buchfinder11

Und Männer sind die besseren Köche


– Bocuse hat´s bewiesen!


buchtitel_koechin1

Warum ich dieses Buch empfehle?
Dafür gibt es zwei Gründe:
Erstens ich bin selbst ein begeisterter Koch – Vorliebe Fisch!
Und zweitens bin ich ein Autor, der sich mit Satiren beschäftigt und selbst welche schreibt.
Diese Köchin berichtet über ernste Dinge die Küche betreffend in einer herrlich satirisch-frischen, belebenden Art, die einen schmunzeln lässt!

Zitat aus:

Die Köchin

von Brigitte Stolle
(Die Köchin in Feierabendtrinklaune) setzt sich aufrecht hin und nimmt ein Schlückchen Wein. Bekommt plötzlich - wie immer ohne direkte Veranlassung - große Lust, sich ein bisschen über ihre Kollegen zu ärgern.


Das kann ich Ihnen sagen, Gleichberechtigung hin oder her. Heute ist es ja besser. Aber früher! Als ich angefangen hab vor über zwanzig Jahren ... Köchinnen gabs da kaum. Im Altenheim ja, im Krankenhaus ja, in Kantinen und so.
Aber in der Gastronomie? Und erst in der Top-Gastronomie?
Ich hab mich damals bei einem großen Hotel beworben. Um einen Ausbildungsplatz. Wissen Sie, was mir der Maître an den Kopf geworfen hat? Frauen brächten Unruhe und Verwirrung unter die Köche. Da wär ordentliches Arbeiten nicht mehr möglich. Das Vorurteil war fest, Veränderung kaum möglich. Echter Männerberuf, damals. Alles Bocuse-Nachfolger! Angeber! Möchtegerns! Künstler! Karotten mit dem Tourniermesser zu winzigen Gebilden schnitzen und drei davon auf einen schwarzen Teller legen. Auf keinen Fall zwischendurch mal einen Topf abspülen! Arbeitsplatz verd reckt? Wo ist die Küchenhilfe, die faule Sau?

Regt sich auf und trinkt deshalb vom Wein.

Dabei - seien wir doch mal ehrlich: Woher haben die Köche denn ihre Rezepte?


(Kunstpause)



Von ihren Omas! Seit Urzeiten die gleiche raffinierte Vorgehensweise: Rezepte abkupfern, heimlich beiseite schaffen, bis zur Unkenntlichkeit verändern, was sag ich, verstümmeln!, damit niemand was merkt, damit der Diebstahl nicht auffällt. Und dann damit angeben. Den großen Max spielen. Auftritte inszenieren. Den Prahlhans geben. Die Rezeptlieferantin sitzt derweil bewundernd vor dem Fernsehen und staunt ihren Enkel an. Merkt vor lauter Stolz nichts vom Betrug. Ach der Bub! Ein richtiger Künstler! Wer hätte das auch gedacht?

Regt sich bei einem Schluck Wein wieder ab und gibt sich angenehmeren Vorstellungen hin.


Haben Sie auch schon mal in Italien gegessen? Bestimmt! Aber ich mein jetzt nicht dort, wo Künstler-Köche Schnickschnack aus Nahrungsmitteln machen.


(Wiederholt trotzig:)



Ja, Schnickschnack und Heckmeck! Sondern in einem kleineren Ort auf dem Land! Vielleicht Toskana! Da wo die Mamma in der Küche steht und Pasta herstellt. Oder die Nonna. Leckere Saucen gibts dazu. Zum Beispiel Walnuss-Sauce. Geschmacklich ein Gedicht! Pecorino drüber. Als Vorspeise Brennnesselsalat und geröstetes Brot, verschwenderisch getränkt mit dickflüssigem, goldgelbem Olivenöl. Zum Nachtisch taucht man hausgemachte Mandelkekse in seinen Kaffee. Einfache Gerichte mit einfachen Namen, gute Qualität, rote Landweine, gediegene Portionen, angenehme Umgebung. Äußerlichkeiten und Show-Einlagen unwichtig. Handwerkliches Können zählt. Das Modewort dafür ist: ehrlich. Das haben Sie bestimmt schon im Fernsehen gehört.

Saug-, Schlürf und Schmatzgeräusche am Weinglas. Dann - den Blick träumerisch in die Ferne gerichtet - mit ehrfurchtsvoller Stimme:

Ein schöner Wein! Ein ehrlicher Wein! Ein prächtiger, trefflicher, braver und rechtschaffener Wein! Na ja, das ist auch so ein albernes Getue! Auf jeden Fall fühlt man sich richtig glücklich und zufrieden bei Mamma und Nonna. Und überhaupt nicht reingelegt!

Trinkt einen Schluck Wein, weil sie sich noch ein bisschen weiterärgern will.

Trotzdem kriegt man immer wieder zu hören von den Leuten: Männer, das sind die besseren Köche.
Beweis: Alle Spitzenköche sind männlich. Männer hätten die besseren Geschmacksnerven, den besseren Geruchssinn. Wissenschaftlich erwiesen soll das sogar sein! Die Wissenschaft wird ja immer gern bemüht, wenn man Recht behalten will. Frechheit! Mittlerweile ist es ein bisschen besser geworden.Aber nur ein winzig kleines bisschen. Es gibt inzwischen auch ein paar Köchinnen in der Gastronomie. Aber bei den unflätigen Schweinereien, die die Kerls in den Küchen tagtäglich ablassen, braucht man Nerven wie Drahtseile oder man geht vor die Hunde. Ehrlich, mehr Frauen - da wär das Geschäft nicht mehr ganz so brutal, und das Essen wär besser. Hundert Prozent! Das sag ich Ihnen!


Copyright © by Brigitte Stolle - Abdruck mit der freundlichen Genehmigung der Autorin.

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